Qualitätsoffensive im Segeltourismus

Ausgangssituation

Schleswig-Holstein besitzt naturgemäß als "Land zwischen den Meeren" eine starke maritime Prägung. Mit der 1.190 km langen Küstenlinie, den rund 250 Seen, dem Nord-Ostsee-Kanal und einer Vielzahl von Flüssen und Bächen hat der Wassertourismus in Schleswig-Holstein gute Ausgangsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Eine erste Bestandsaufnahme bezüglich des Entwicklungsstandes, der Stärken und Schwächen, der Konkurrenzsituation, der Entwicklungspotenziale sowie erste darauf abzuleitende Maßnahmen zur Förderung des Wassertourismus in Schleswig-Holstein lieferte im Jahr 2005 die Studie „Wassersporttourismus Schleswig-Holstein“.

Aufgabenstellung

Spätestens seit der Studie „Wassersporttourismus Schleswig-Holstein“ weiß man, dass die Ostsee Schleswig-Holstein ein bedeutendes Revier für den Segel- und Motorboottourismus in Deutschland ist. So gibt es an der Ostsee rund 18.500 Liegeplätze für Yachten und für die qualifizierte Segelausbildung sorgen 38 Segelschulen. Man weiß aber auch, dass nach der Wiedervereinigung mit Mecklenburg-Vorpommern ein weiterer starker Wettbewerber in den Markt eingetreten ist. Gleichzeitig befindet sich die gesamte Branche vor gravierenden Änderungen. So hat der Bundesverbandes Wassersportwirtschaft (BVWW) in einer Untersuchung nachgewiesen, dass die demographische Entwicklung erhebliche Auswirkungen auf die Altersstruktur der Bootseigner haben wird. Danach wird bundesweit die Anzahl der Bootseigner jährlich um rund 3% abnehmen und das wird dazu führen, dass in den kommenden Jahren die Altersgruppe der 60 - 75 Jährigen in den Sportboothäfen dominieren wird. Ältere Menschen haben aber andere Ansprüche an die Infrastruktur, so nehmen im Alter die körperliche Leistungsfähigkeit und die Beweglichkeit ab und der Komfortanspruch nimmt zu. Die Folgen werden sein:

  • Wegen der abnehmenden Anzahl von Bootseignern wird der Wettbewerb unter den Hafenbetreibern zunehmen.
  • Um den zunehmenden Anteil der älteren Bootseigner in den Sportboothäfen (und auf den Booten) zu halten, sind neue Konzepte für die Infrastruktur der Häfen erforderlich.
  • Im Qualitätswettbewerb wird derjenige „die Nase vorn“ haben, der auf veränderte Nutzungsbedingungen adäquat reagiert.

Um unter den zu erwartenden Bedingungen wettbewerbsfähig zu bleiben, wurde in Schleswig-Holstein im Jahr 2008 das landesweite Projekt „Qualitätsoffensive im Segeltourismus“ gestartet. Neben der Etablierung der „Blauen Sterne“ ist die Verbesserung der Qualität in den Sportboothäfen ein Schwerpunkt des Projektes. Die Klassifizierung selbst ist dabei nur das letzte Glied der Kette. Qualität fängt in den vielen kleinen Dingen an. Im Rahmen des Projektes unterstützt die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein die Sportboothäfen in Schleswig-Holstein bei der Verbesserung des Services und der Infrastruktur.

Projektbeschreibung

Mit den Projektpartnern des Ostsee-Holstein-Tourismus e.V. und der „Kieler Bucht“ hat die egoh die Leitung des Projektes übernommen. Gemeinsam mit allen interessierten Beteiligten sollen neue, zielgruppenorientierte Produkte entwickelt, eine Qualifizierung des Personals durchgeführt, die wassertouristische Infrastruktur optimiert und eine gemeinsame Außendarstellung aufgebaut werden. Mit einem Netzwerk aus schlagkräftigen und zukunftsorientierten Akteuren wird somit die Position Schleswig-Holsteins im nationalen und internationalen Segelsport/ -tourismus gestärkt und ausgebaut.
Zu den konkreten Maßnahmen des Projektes gehört im Bereich der Sportboothäfen u. a.:

  • Klassifizierung nach den Blauen Sternen  ***** für Sportboothäfen
  • Beurteilung der Ausgangssituation und der Entwicklungsmöglichkeiten unter touristischen Gesichtspunkten
  • Kompetente, einzelspezifische Beratung bei der Optimierung der wassertouristischen Infrastruktur
  • Verfassen eines Kurzberichtes/ Exposés
  • Produktentwicklung und Integration in die Vermarktungsstrategien des OHT, z. B. Präsenz unter www.segelkueste.de
  • Beratung bei der Akquise von Fördermitteln oder dem Einsatz alternativer Finanzierungsmodelle

Für den Bereich der Segelschulen sind folgende Maßnahmen geplant:

  • Qualitätscheck mit Status-quo-Analyse
  • Beurteilung der Ausgangssituation und der Entwicklungsmöglichkeiten unter touristischen Gesichtspunkten
  • Kompetente, einzelspezifische Beratung bei der Optimierung/ Neuausrichtung der Segelschule nach Zielgruppen
  • Verfassen eines Kurzberichts/Exposés
  • Kostenlose Präsenz und Aufnahme von max. 5 Angeboten unter www.segelkueste.de
  • Produktentwicklung und Integration in die Vermarktungsstrategien des OHT sowie zielgruppenspezifische Einbindung in die landesweite Marketingarbeit
  • Beratung bei der Akquise von Fördermitteln oder dem Einsatz alternativer Finanzierungsmodelle

Organisatorisch wird der Bereich der Sportboothäfen von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH und der Bereich der Segelschulen vom Ostsee-Holstein-Tourismus e.V. betreut. Weitere Informationen zu den Maßnahmen und Ergebnissen aus den Bereich der Segelschulen erhalten Sie unter: www.segelkueste.de

Durch die Beratung und Unterstützung dieser kleinen und mittleren Unternehmen soll die Wettbewerbssituation verbessert werden. Es gilt, die wirtschaftliche Bedeutung des Wassertourismus in der Region und ihre Zukunftsfähigkeit zu verdeutlichen. Das Projekt hat eine Laufzeit vom 01. Januar 2008 bis zum 31. Dezember 2010. Die Gesamtkosten belaufen sich auf  843.000 €. Dabei konnte eine Förderquote von 60 % erreicht werden. Diese Mittel stammen aus dem „Zukunftsprogramm Wirtschaft“ des Landes Schleswig-Holstein.

Ergebnisse

Die erste Maßnahme innerhalb des Projektes war es eine vernünftige Datengrundlage zum Segeltourismus zu schaffen. Hierzu wurden eine Reihe von Studien in Auftrag gegeben bzw. an der Erstellung mitgearbeitet.

Mit dem „Standortkonzept Sportboothäfen – Reviere Kieler Bucht, Fehmarn, Lübecker Bucht“ (November 2008/ Entwicklungsgesellschaft Ostholstein/ nicht veröffentlichte Studie) und der Studie „Analyse und Entwicklungsperspektiven der Wassersportinfrastruktur in den Revieren rund um die Flensburger Förde“ (Oktober 2009/ Ganzjahres-Erlebnisregion/ nicht veröffentlichte Studie) ist die Planungsgrundlage für den Ist-Zustand der Wassersport-Infrastruktur an der Ostseeküste Schleswig-Holstein geschaffen und gleichzeitig eine erste Einschätzung zur zukünftigen Nachfrageentwicklung vorgenommen worden.

Mit der Studie „Empirische Erhebung zum Segeltourismus an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste“ haben im Sommer 2008 unter der Leitung von Professor Dr. Götz von Rohr und Frau Dipl.-Geogr. Nicole Heinisch, 25 Studenten des Geographischen Instituts der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an 5 Standorten insgesamt 1.250 Sehleute und 500 Segler befragt. Die Segler und Sehleute wurden zu ihrer Herkunft, ihrem Verhalten, ihren Ansprüchen und Anforderungen an die wassertouristische Infrastruktur und das landseitige touristische Angebot sowie ihrer Wahrnehmung des Thema „Segelns“ befragt.

Parallel zu den Studien wurden für 51 Sportboothäfen an der Ostseeküste umfangreiche Status Quo Analysen erstellt. Hierbei wurde das vorhandene Angebot des Sportboothafens erfasst und mit dem Klassifizierungssystem abgeglichen. Bei einer ersten Auswertung der Status Quo Analysen wurde festgestellt, dass viele Sportboothäfen ähnliche Probleme hatten bzw. gewisse Anforderungen des Systems nicht erfüllten. Hier wurde gemeinsam mit der projektbegleitenden Arbeitsgruppe Sportboothäfen Musterlösungen entwickelt.  Diese Ergebnisse und Best-Practice Beispiel wurden im Leitfaden für Sportboothäfen zusammengefasst. Der Leitfaden soll zukünftig als Grundlage zur kontinuierlichen Steigerung des Qualitätsbewusstseins dienen und gibt wertvolle Tipps im Bereich Services und Marketings.


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